Schülerwege & kreative Projekte

Wenn aus Unterricht eigene Wege werden

Musikalische Entwicklung endet nicht immer mit der nächsten Klavierstunde, Gesangsübung oder einem neuen Stück.

Manchmal entsteht daraus ein eigener Song.
Eine Aufnahme.
Ein Konzert.
Ein Musikvideo.
Ein Fotoshooting.
Ein Studium.
Eine neue kreative Zusammenarbeit.

Über viele Jahre wurden SchülerInnen der BLJ Academy auf sehr unterschiedlichen musikalischen und künstlerischen Wegen begleitet – manchmal über lange Zeit, manchmal nur an einem entscheidenden Punkt.

Dabei geht es nicht darum, aus allen Menschen dasselbe zu machen.

Und auch nicht darum, spätere Entwicklungen für den Unterricht zu beanspruchen.

Die Aufgabe besteht vielmehr darin, aufmerksam zu erkennen, wo Interesse zu Eigeninitiative wird, wo sich eine Begabung entwickelt und wo aus einer Idee ein nächster Schritt entstehen könnte.

Dann kann Unterricht mehr sein als die Arbeit am Instrument.

Er kann Menschen miteinander verbinden, Möglichkeiten sichtbar machen und dabei helfen, eine eigene Richtung zu finden.

Denn musikalische Bildung sollte nicht nur zeigen, wie etwas gespielt wird.
Sie sollte Menschen zunehmend befähigen, selbst zu entscheiden, was sie daraus machen möchten.

Kein vorgezeichneter Weg

Musikalische Entwicklung folgt keinem einheitlichen Plan.

Nicht jede Schülerin möchte auf eine Bühne.
Nicht jeder Schüler möchte Musik studieren.
Nicht jede Begabung muss zum Beruf werden.

Für manche bedeutet Entwicklung, ein anspruchsvolles Werk endlich so spielen zu können, wie es innerlich schon lange klingt.

Für andere beginnt etwas Neues: ein eigener Song, eine Aufnahme, ein Konzert, ein Studium, ein kreatives Projekt oder eine professionelle Zusammenarbeit.

Und manchmal besteht ein großer Schritt einfach darin, nach vielen Jahren wieder mit Musik anzufangen.

Deshalb gibt es in der BLJ Academy kein festes Idealbild davon, wohin Unterricht führen muss.

Entscheidend ist vielmehr die Frage:

Was ist für diesen Menschen jetzt der nächste sinnvolle Schritt?

Ziele dürfen sich verändern.

Interessen dürfen sich verschieben.

Manches wird wichtiger, anderes verliert seine Bedeutung.

Unterricht sollte diese Entwicklung nicht einengen, sondern begleiten.

Er kann Orientierung geben, Möglichkeiten sichtbar machen, Fähigkeiten aufbauen und dort unterstützen, wo aus Interesse Eigeninitiative entsteht.

Erfolg hat deshalb viele Formen.

Er kann in einem Musikstudium liegen.
In einer Veröffentlichung.
In einem gelungenen Auftritt.
In jahrzehntelangem gemeinsamen Musizieren.
Oder darin, im Alter von 60 oder 70 Jahren etwas wieder aufzunehmen, das lange geruht hat.

Nicht der vorgezeichnete Weg zählt.

Sondern die Fähigkeit, einen eigenen zu finden.

Wege, die weiterführen

Leon Glauning – vom Hören zur eigenen künstlerischen Sprache

Leon Glauning wurde über einen längeren Zeitraum im Klavierspiel begleitet.

Schon früh zeigte sich dabei eine außergewöhnlich intuitive Beziehung zur Musik: Als Kind konnte er nach eigener Erinnerung rund 70 Songs der Beatles auswendig spielen – vieles davon weniger über das Lesen von Noten als über Hören, Erinnern und Wiedererkennen musikalischer Muster.

Diese Fähigkeit verweist auf etwas, das in der BLJ Academy eine wichtige Rolle spielt:

Musik nicht nur lesen, sondern hören, erkennen und innerlich verfügbar machen.

Im Unterricht ging es deshalb nicht allein um Reproduktion, sondern auch darum, mit musikalischem Material zu spielen.

Ein besonders humorvolles Beispiel entstand im Rahmen eines von Bastian Lee Jones initiierten Flow-Walzer-Wettbewerbs: Leon spielte seinen Beitrag auf dem Rücken liegend am Klavier – mit überkreuzten Händen

Was zunächst wie ein spielerischer Einfall wirkt, berührt einen grundlegenden Gedanken der Academy:

Wenn ein musikalisches Muster ausreichend verinnerlicht ist, kann man beginnen, seine gewohnte Form zu verlassen.

Man kann variieren.
Umdenken.
Rekombinieren.
Experimentieren.

Aus Können wird Spiel.

Aus dem langjährigen Unterricht entwickelte sich später ein eigener musikalischer Weg. Leon studierte Jazz, schrieb eigene Songs und entwickelte eine eigene künstlerische Arbeit mit Veröffentlichungen.

Die Verbindung blieb dabei nicht auf den Klavierunterricht beschränkt. Im Laufe der Zeit entstanden auch fotografische Arbeiten für seine Künstlerpräsentation.

Sein Weg zeigt exemplarisch, was Entwicklung in der BLJ Academy bedeuten kann:

Hören. Verstehen. Verinnerlichen. Spielen. Und daraus etwas Eigenes entwickeln.

Flow-Walzer ansehen →

Leon Glauning auf Spotify →

Sigrun T. – wenn Musik Menschen über Jahre verbindet

Sigrun T. kommt seit über 10 Jahren zum Gesangsunterricht in die BLJ Academy. Sie spielt ebenso Gitarre, jetzt auch Ukulele und hat das Cello ihres Grossvaters renovieren lassen und lernt mit grosser Freude ebenso Cello. Das Cello verbessert Sigruns Gehör massiv. Sigrun singt zugleich seit vielen Jahren gemeinsam mit Die Mollys.

Die Gruppe – Annette, Angela, Peter und Sigrun – trifft sich regelmäßig zum gemeinsamen Musizieren, abwechelnd in den jeweiligen Privatwohnungen der Mitmachenden. Gesungen wird mehrstimmig, arrangiert, ausprobiert und begleitet – unter anderem mit Gitarre, Ukulele, Flöte, Mundharmonika und Cello.

Zum Repertoire gehören Evergreens ebenso wie Irish Folk.

Was dabei entstanden ist, lässt sich nicht sinnvoll allein in Prüfungen, Abschlüssen oder Veröffentlichungen messen.

Es ist etwas anderes gewachsen:

eine musikalische Gemeinschaft.

Gemeinsames Singen wird zum festen Bestandteil des Lebens. Menschen hören aufeinander, finden ihre Stimmen innerhalb eines Ensembles, entwickeln Arrangements und teilen Musik miteinander.

Dazu gehören auch öffentliche Auftritte – beispielsweise bei der Fête de la Musique in Berlin.

Sigruns Weg erinnert deshalb an einen wichtigen Grundgedanken der BLJ Academy:

Musikalische Entwicklung muss nicht zwangsläufig in einen professionellen Beruf führen, um von großer Bedeutung zu sein.

Sie kann darin bestehen, Musik über Jahrzehnte im eigenen Leben lebendig zu halten – gemeinsam mit anderen Menschen.

Musik lebt dort, wo Menschen zusammenkommen und sie miteinander teilen.

Die Mollys ansehen →

Naphat N. – Begabung, Veränderung und gegenseitige Inspiration

Naphat N. brachte von Anfang an eine außergewöhnliche Verbindung von Musik, Bildern, Geschichten und Erinnerung mit in den Klavierunterricht.

Ihre visuelle und musikalische Auffassungsgabe war bemerkenswert. Debussys Clair de Lune konnte sie beispielsweise bereits nach ganz wenigen Wochen weitgehend auswendig spielen.

Doch musikalische Entwicklung verläuft nicht immer geradlinig.

Nach einer einschneidenden Lebensphase veränderten sich auch für Naphat einige Voraussetzungen des Lernens. Was jedoch blieb, war etwas vielleicht noch Wesentlicheres:

ihre Liebe zur Musik, zur Kreativität und zum Entdecken.

Genau darin liegt ein wichtiger Gedanke der BLJ Academy:

Naphats Interessen gingen dabei schon immer weit über das Klavier hinaus. Naturwissenschaften, Film, Anime, Geschichten und handwerklich-kreative Arbeiten gehörten ebenso zu ihrer Welt. Später studierte sie erfolgreich Chemie und Biologie auf Lehramt an der Freien Universität Berlin.

Eine besondere Rolle spielte für sie die Welt von Studio Ghibli – mit ihrer Verbindung von Musik, Bild, Fantasie, Emotion und Erzählung.

Ein wichtiger musikalischer Bezugspunkt war außerdem der Pianist und YouTuber Animenz, dessen virtuose Klavierarrangements von Anime-Musik ein großes internationales Publikum erreicht haben.

Aus diesem Interesse entstand schließlich eine besondere Begegnung: Bastian Lee Jones führte ein Interview mit Animenz – und Naphat konnte ihrem musikalischen Vorbild indirekt dabei selbst Fragen stellen.

Doch die Inspiration verlief nicht nur in eine Richtung.

Durch Naphats Begeisterung entdeckte auch Bastian Lee Jones die Musik der Studio-Ghibli-Filme intensiver für sich.

Was eine Schülerin in den Unterricht mitbrachte, wurde damit zum Impuls für die eigene künstlerische Arbeit des Lehrers. Später entstanden daraus eigene Studioaufnahmen mit Musik aus der Welt von Studio Ghibli.

Das ist Docendo discimus – wir lernen beim Lehren in seiner unmittelbarsten Form.

Lehrende bringen Wissen, Erfahrung und Möglichkeiten mit.

SchülerInnen bringen andere Erfahrungen, Interessen, Fragen und Welten mit.

Wenn beides aufeinandertrifft, kann etwas entstehen, das vorher niemand geplant hatte.

Unterricht ist keine Einbahnstraße.

Manchmal beginnt eine neue künstlerische Reise mit einer ganz einfachen Frage:

„Kennst Du das eigentlich?“

Animenz-Interview ansehen →

Studio-Ghibli-Aufnahmen hören →

Bo und Henry R. – Mutter und Sohn, zwei musikalische Wege

Manchmal zeigt sich Individualität besonders deutlich innerhalb derselben Familie.

Die Verbindung zu Bo R. begann 2014 – die erste E-Mail aus dieser Zeit existiert noch im persönlichen Archiv von Bastian Lee Jones.

Schon die erste Begegnung hatte ihren eigenen Ton.

Als Bastian die Möbel aus Bali bemerkte – dem Ort, an dem er selbst geboren wurde –, fragte Bo ihn kurzerhand:

„Bastian, bist du ein Hippie?“

Seine Antwort:

„Nein, eher ein Luxuspunk.“

Damit war das Eis gebrochen.

Aus dieser sympathischen ersten Begegnung entwickelte sich eine langjährige musikalische Verbindung – zunächst zu Bo und später auch zu ihrem Sohn Henry.

Bo arbeitete unter anderem mit klassischem Repertoire und spielte Beethovens Mondscheinsonate.

Henry dagegen machte früh deutlich, dass er seinen eigenen Weg gehen wollte.

Notenlesen interessierte ihn kaum. Ein systematisches Programm aus Tonleitern, Technikübungen und vorgeschriebenem Repertoire hätte seiner Persönlichkeit vermutlich eher die Freude am Instrument genommen als sie gefördert.

Also entstand ein anderer Unterricht.

Spielen.
Hören.
Ausprobieren.
Singen.
Songs entdecken.
Und vor allem: selbst entscheiden dürfen, wohin die musikalische Aufmerksamkeit gerade gehen möchte.

Songs wie David Bowies Space Oddity oder Billy Joels Piano Man wurden dabei zu Ausgangspunkten für Stimme, Klavier und musikalischen Ausdruck.

Rückblickend formulierte Henry sinngemäß einen Gedanken, der für die BLJ Academy wesentlich ist:

Eigentlich wollte ich gar nicht Klavier spielen. Aber du hast mich immer machen lassen und mir nie etwas vorgeschrieben. Und trotzdem bin ich all die Jahre dabeigeblieben.

Später bedankte er sich ausdrücklich dafür.

Dieser Dank ist vielleicht einer der stärksten Hinweise darauf, dass pädagogischer Erfolg nicht immer daran gemessen werden kann, wie vollständig ein vorgegebener Lehrplan erfüllt wurde.

Manchmal besteht er darin, dass ein Mensch seine Beziehung zur Musik behalten konnte.

Menschen in ihrem So-Sein anzunehmen bedeutet allerdings nicht, die Konsequenzen unterschiedlicher Lernwege zu übersehen.

Henrys Klaviertechnik entwickelte sich ausgesprochen individuell. Ein traditioneller Klavierpädagoge würde manches vermutlich anders aufbauen.

Aber Unterricht muss immer auch fragen:

Was geschieht mit diesem Menschen, wenn ich ihn jetzt zwinge, auf meine Weise zu lernen?

Bei Henry wäre ein konsequentes technisches Pflichtprogramm möglicherweise pädagogisch kontraproduktiv gewesen.

Also durfte seine eigene Spielweise entstehen.

Bo bemerkte später treffend, Henry habe dadurch beinahe einen eigenen Stil entwickelt.

Das ist keine Absage an Technik.

Es ist eine Frage der Priorität:

Technik soll einem Menschen Möglichkeiten eröffnen – nicht zum Grund werden, warum er mit Musik aufhört.

Eine kleine Episode macht diesen besonderen Weg besonders anschaulich.

Obwohl Henry selbst wenig Interesse am klassischen Notenlesen hatte, bat Bastian Lee Jones ihn einmal, Erik Saties Gnossienne No. 1 aufzuschreiben.

Handschriftliches Notenblatt zu Erik Saties Gnossienne No. 1 von Henry G. R.
Henrys handschriftliche Abschrift von Erik Saties „Gnossienne No. 1“.

Henry tat es – und schenkte ihm anschließend das handgeschriebene Notenblatt.

Es existiert bis heute.

Später bereitete sich Henry vor einem Aufenthalt in Rom musikalisch darauf vor, dort Songs spielen und singen zu können. Dort lernte er nach seiner Erinnerung auch einen Saxophonisten kennen. Seine weitere Ausbildung ließ schließlich wenig Raum, daraus ein größeres musikalisches Projekt zu entwickeln.

Aber die Musik war mitgegangen.

Wenn Unterricht Beziehungen schafft

Über Henry entstand außerdem die Verbindung zu Remo.

Henry und Remo waren eng befreundet und häufig zusammen. So kam schließlich auch Remo zum Klavierunterricht.

Manchmal wurden Henry und Remo gemeinsam unterrichtet – teilweise auch bei Remo im Tiergarten.

So entstand etwas, das für die BLJ Academy bis heute charakteristisch ist:

Unterricht findet nicht ausschließlich innerhalb einer isolierten Lehrer-Schüler-Beziehung statt.

Menschen bringen Familie, Freundschaften, Interessen, Humor, Erfahrungen und neue Verbindungen mit.

Aus einer Begegnung entsteht die nächste.

Und manchmal entwickelt sich daraus ein kleines kreatives Netzwerk, das niemand vorher geplant hat.

Bo, Henry und Remo zeigen deshalb nicht nur unterschiedliche musikalische Wege.

Sie zeigen auch eine grundsätzliche Haltung:

Der Mensch muss nicht passend für eine Methode gemacht werden.
Die Methode muss beweglich genug sein, dem Menschen begegnen zu können.

Remo R. – Disziplin, Körperbewusstsein und ein eigener Weg

Remo R. kam über Henry R. zum Unterricht.

Beide gingen auf dieselbe Schule, und waren eine Zeit lang eng befreundet. Dennoch zeigte sich im Unterricht schnell, dass Remo musikalisch und persönlich einen ganz eigenen Zugang hatte.

Auch Remo gehörte nicht zu den Schülern, für die Notenlesen im Zentrum stand.
Aber im Unterschied zu anderen nahm er musikalische Vorschläge gerne auf – wenn sie zu ihm passten.

Stücke wie das Thema aus Mission: Impossible begeisterten ihn unmittelbar.
Und kurz vor dem Abitur setzte er sich ein klares Ziel: Er wollte Beethovens „Für Elise“ vollständig spielen – nicht nur den bekannten Anfang, sondern das Werk in seiner ganzen Form.

Das ist anspruchsvoller, als es oft erscheint.

Gerade darin zeigte sich etwas, das für Remo bezeichnend war:

Wenn er sich für etwas entschied, dann wollte er es richtig machen.

Diese Haltung prägte nicht nur seinen Zugang zur Musik, sondern auch seinen Umgang mit sich selbst.

Remo interessierte sich stark für Sport, Körperbewusstsein und Training.
Er betrieb intensives Krafttraining, arbeitete diszipliniert an seiner körperlichen Entwicklung und verfolgte früh das Ziel, später im Bereich Sport, Training und Coaching zu arbeiten.

Bemerkenswert war dabei nicht nur seine Konsequenz, sondern auch seine Eigenständigkeit.

Er entwarf sein eiweißreiches Ernährungskonzept, dachte über körperliche Optimierung nach und entwickelte sogar eigene Ideen für Pflegeprodukte – alles mit dem Anspruch, möglichst bewusst, reflektiert und nach wissenschaftlichen Maßstäben vorzugehen.

Im Unterricht wurde dadurch etwas sichtbar, das über Musik hinausweist:

Lernen bedeutet nicht nur Ausdruck.
Lernen bedeutet auch Selbstgestaltung.

Remo brachte deshalb eine andere Energie mit als viele andere Schülerinnen und Schüler.

Er dachte nicht bohemienhaft oder verträumt, sondern eher in Richtung:

Wie kann ich aus meinen Möglichkeiten etwas machen?
Wie forme ich mich?
Wie werde ich besser?

Diese Haltung zeigte sich auch sprachlich und kreativ.

Im Unterricht schrieb Remo unter anderem eigene Songtexte, darunter auch einen Rap-Text, der durch Klarheit, Eigenständigkeit und Ausdruck auffiel.

Damit wurde sichtbar:

Auch jemand, der stark über Körper, Disziplin und Leistung denkt, trägt oft ebenso ein kreatives Innenleben in sich.

Gerade diese Verbindung von Körper und Geist, von Training und Ausdruck, von Disziplin und Kreativität macht seinen Weg so interessant.

Eine weitere Facette war seine Freude an gedanklicher Herausforderung.

Remo wollte mit Bastian Lee Jones immer wieder auch Schach spielen – als weiteres Feld von Strategie, Konzentration und geistiger Wachheit.

Sein Weg zeigt exemplarisch, dass Musikunterricht nicht immer nur über denselben pädagogischen Zugang funktioniert.

Manche Menschen finden über Gefühl in die Musik.
Andere über Spiel.
Wieder andere über Struktur, Zielstrebigkeit und Selbstdisziplin.

Remo gehörte zu jenen Schülern, bei denen man spüren konnte:

Bewusstheit ist auch eine Form von Musikalität.

Sein Beispiel macht deutlich, dass musikalische Entwicklung nicht getrennt vom übrigen Leben verstanden werden muss.

Wer lernt, an sich zu arbeiten, einen Körper zu formen, Gewohnheiten zu entwickeln, konzentriert zu bleiben und eigene Ziele ernst zu nehmen, bringt oft auch für Musik entscheidende Fähigkeiten mit:

Ausdauer.
Präsenz.
Rhythmus.
Konzentration.
Disziplin.

So steht Remo R. auf eigene Weise für einen wichtigen Gedanken der BLJ Academy:

Künstlerische Entwicklung kann sehr unterschiedlich aussehen.
Aber sie gewinnt immer dort an Tiefe, wo ein Mensch beginnt, sich selbst bewusst zu gestalten.

Dieter Starke – Chanson, Figur und Bühnenpräsenz

Dieter Starke kam mit einer klaren Freude an Gesang, Chanson und Kleinkunst zum Unterricht.

Er suchte immer wieder nach Möglichkeiten, mit einem Pianisten aufzutreten und sein Repertoire auf die Bühne zu bringen. Seine Auftritte führten ihn unter anderem in Boutiquen und in die ehemalige Feuerwache in Friedrichshain.

Dabei entstand zunehmend mehr als nur ein Liederabend.

Dieter entwickelte Figuren und kleine szenische Welten.

Als „Nachtgespenst“ trat er beispielsweise im Nachthemd und mit Schlafzipfelmütze auf – eine bewusst inszenierte Figur mit Humor, Atmosphäre und theatralischer Präsenz.

Auch seine Interpretation des Clowns hatte eine andere Farbe: stiller, melancholischer, nachdenklicher.

Sein Repertoire war entsprechend breit.

Dieter brachte immer wieder eigene Vorschläge mit – von Chansons über Volkslieder bis hin zu Arien.

Diese Offenheit machte den Unterricht zu einem gemeinsamen Suchprozess:

Welches Lied passt zur Stimme?
Welche Geschichte möchte erzählt werden?
Welche Figur entsteht daraus?
Und wie kann sie auf einer Bühne glaubwürdig werden?

Aufnehmen, ansehen, verbessern

Teile des Programms und einzelne Auftrittssequenzen wurden immer wieder mit Audio und Video aufgenommen.

Die Aufnahme wurde zum Spiegel.

Wie wirkt eine Bewegung?
Ist der Text verständlich?
Trägt eine musikalische Phrase?
Funktioniert eine Figur auch von außen betrachtet?
Wo verliert ein Auftritt Spannung – und wo entsteht plötzlich etwas Besonderes?

Recording war damit nicht erst das Endprodukt, sondern bereits Teil des Lernprozesses.

Dieter hätte sich für seine Auftritte ursprünglich eine direkte Klavierbegleitung durch Bastian Lee Jones gewünscht.

Doch dafür musste eine Lösung gefunden werden, die ihm größere Unabhängigkeit ermöglichte.

Gemeinsam wurde deshalb mit vorbereiteten Begleitungen und schließlich überwiegend mit Halbplaybacks gearbeitet.

Die Lösung überzeugte ihn – und vor allem:

Sie funktionierte auf der Bühne.

Dieter konnte damit seine Programme zunehmend eigenständig aufführen, ohne für jeden Auftritt einen Pianisten organisieren zu müssen.

Auch darin steckt ein Grundgedanke der BLJ Academy:

Eine musikalische Lösung muss nicht nur theoretisch richtig sein. Sie muss für den Menschen und die konkrete Situation funktionieren.

Und sie sollte möglichst dazu beitragen, ihn unabhängiger zu machen.

Stimme, Bild und Selbstpräsentation

Die Begleitung ging deshalb auch über die reine Gesangsarbeit hinaus.

Gemeinsam entstanden eine Fotosession, ein eigener visueller Look sowie Flyer für seine Auftritte.

Dieter Starke mit Strohhut und pinkfarbener Krawatte bei einer Portrait-Fotosession mit Bastian Lee Jones
Entwicklung eines eigenen visuellen Looks – Portrait von Dieter Starke, Foto: Bastian Lee Jones
Gezeichneter Flyer mit Portrait von Dieter Starke im Strohhut und dem Schriftzug „der starke Dieter Starke“
Vom Portrait zur Illustration: Flyerzeichnung und Gestaltung für Dieter Starke – Bastian Lee Jones

Auf Empfehlung von Bastian Lee Jones richtete Dieter außerdem einen eigenen YouTube-Kanal ein, um seine Arbeit selbst sichtbar machen zu können.

So verbanden sich Gesang, Konzertvorbereitung, Recording, Bühne, Fotografie und Selbstpräsentation zu einem größeren Ganzen.

Dieter zeigt damit exemplarisch:

Künstlerischer Ausdruck entsteht nicht allein aus einer Stimme.

Er entsteht dort, wo Stimme, Persönlichkeit, Repertoire, Figur, Bild und Präsenz miteinander eine eigene Form finden.

Und manchmal besteht künstlerische Entwicklung auch darin, eine praktische Form zu finden, mit der eine eigene Idee tatsächlich auf die Bühne gebracht werden kann.

Das Nachtgespenst – Live-Auftritt ansehen →

Der Clown – Live-Auftritt ansehen →

Georgette Tripes – Stimme, Eigenständigkeit und die eigene Richtung

Die Verbindung zu Georgette Tripes entstand über ihre Mutter Ange, die zuvor selbst zum Gesangsunterricht gekommen war und Bastian Lee Jones später ihrer Tochter weiterempfahl.

Bei Georgette fiel von Anfang an eine kraftvolle, soulige, ausdrucksstarke Stimme auf.

Im Unterricht wurde intensiv an Gesangstechnik, Kontrolle, Ausdruck und stilistischer Flexibilität gearbeitet. Das Repertoire reichte dabei von Rihanna und Mariah Carey über Etta James und die Fugees bis zu Sarah Vaughan.

Pop, Soul, Jazz und unterschiedliche Formen vokaler Interpretation trafen dabei aufeinander.

Doch irgendwann rückte eine andere Frage stärker in den Mittelpunkt:

Was möchte Georgette selbst sagen?

Songwriting wurde zunehmend Teil der gemeinsamen Arbeit.

Georgette schreibt unter anderem auf Englisch und Französisch und bewegt sich selbstverständlich zwischen unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Räumen. Daraus entsteht eine eigene Perspektive, die sich nicht ohne Weiteres in ein einziges musikalisches Schema einordnen lässt.

Gerade das wurde wichtig, als sie auch mit Produzenten aus dem Hip-Hop-Umfeld arbeitete.


Nicht jede vorgeschlagene Richtung entsprach dem, was sie selbst künstlerisch wollte.

Und auch das gehört zu kreativer Entwicklung:

Zusammenarbeit bedeutet nicht, die eigene Richtung aufzugeben.

Man muss lernen zuzuhören, Angebote ernst zu nehmen – und trotzdem unterscheiden zu können:

Was passt zu mir?

Was entwickelt mich weiter?

Und was würde mich von mir selbst entfernen?

Kreativität hört nicht an der Studiotür auf

Georgettes Weg verband Musik zunehmend mit weiteren kreativen Feldern.

Neben Gesang und Songwriting arbeitete sie auch als Model und vor der Kamera.

Bastian Lee Jones unterstützte sie dabei nicht nur musikalisch, sondern stellte unter anderem den Kontakt zu professionellem Modelmanagement her und begleitete sie bei einem gemeinsamen Gespräch.

Solche Situationen machen sichtbar, dass ein kreativer Beruf mehr verlangt als Talent.

Man muss über die eigene Arbeit sprechen können.
Die eigenen Ziele kennen.
Mit anderen Menschen umgehen können.
Fragen stellen.
Entscheidungen treffen.
Und manchmal erst im Gespräch herausfinden, was man eigentlich möchte.

Music Business ist People’s Business.

Diese Erfahrung gehört deshalb ebenso zur künstlerischen Entwicklung wie Gesangstechnik oder Songwriting.

Wenn Georgette in Berlin ist, führt ihr Weg bis heute immer wieder zurück zur gemeinsamen Arbeit.

Nicht weil Entwicklung abgeschlossen wäre.

Sondern gerade weil sie weitergeht.

Ihre Geschichte zeigt damit einen zentralen Gedanken der BLJ Academy:

Eine starke Stimme zu besitzen ist ein Anfang.
Eine eigene Stimme zu finden ist der eigentliche Weg.

Georgette im Interview ansehen →

Georgette auf Instagram →

Tom Stark – Neugier, Ausdauer und die Freiheit, Fehler zu machen

Tom Stark kam über das Klavier zum Unterricht.

Auch seine Mutter Patricia und seine Schwester Greta wurden zeitweise von Bastian Lee Jones unterrichtet – Musik wurde damit über mehrere Mitglieder einer Familie hinweg zu einem gemeinsamen Bezugspunkt.

Bei Tom fiel früh eine Eigenschaft besonders auf:

Er war neugierig – und hatte erstaunlich wenig Angst davor, Fehler zu machen.

Manchmal spielte er eine Passage gefühlt zwanzigmal und machte dabei immer wieder denselben Fehler.

Doch statt sich davon entmutigen zu lassen, probierte er weiter.

Andere Bewegung.
Anderer Fingersatz.
Anderes Tempo.
Noch einmal.

Bastian formulierte ihm gegenüber einmal sinngemäß:

„Ein Profi hat irgendwann fast alle Fehler gemacht, die man machen kann.“

Denn Fehler sind nicht nur etwas, das vermieden werden muss.

Sie zeigen Möglichkeiten, Grenzen und falsche Wege – und damit oft auch, wo eine bessere Lösung liegen könnte. Bei Tom wurde daraus eine besondere Stärke:

Er machte aus einem Fehler kein persönliches Drama.

Er blieb bei der Sache.

Und durch diese Mischung aus Geduld, Neugier und Beharrlichkeit kam er schließlich sehr häufig zum Ziel.

Bastian bezeichnete das ihm gegenüber einmal als eine echte Gewinnereigenschaft.

Nicht, weil Tom immer sofort etwas konnte.

Sondern weil ein vorläufiges Nicht-Können für ihn selten ein Grund war, aufzuhören.

Lernen über verschiedene Welten hinweg

Bei Tom verband sich das Musikalische früh mit anderen Interessen.

Technik, Programmierung und später ein Ingenieurstudium gehörten ebenso zu seiner Welt wie Musik, Reisen und visuelle Gestaltung.

Im Klavierunterricht entstand unter anderem seine Interpretation von Brian Crains „Rain“. Daraus entwickelte sich ein gemeinsames Musikvideo, das Bastian Lee Jones mit ihm konzipierte und realisierte.

Aus Unterricht wurde Dokumentation.
Aus einem Stück wurde ein eigenes kleines Projekt.

Auch die visuelle Seite spielte eine Rolle.

Bastian ermutigte Tom, seine Möglichkeiten im Modeling auszuloten. Für entsprechendes Bildmaterial entstand eine gemeinsame Fotosession; später wurde Tom auch bei einer Modelagentur gelistet.

Dabei ging es nicht darum, aus Musikunterricht plötzlich Modelcoaching zu machen.

Vielmehr zeigte sich erneut ein Grundgedanke der BLJ Academy:

Menschen bringen mehr mit als die Fähigkeit, die gerade im Unterricht im Mittelpunkt steht.

Manchmal lohnt es sich, diese anderen Seiten wahrzunehmen und ihnen ebenfalls Raum zu geben.

Vertrauen, das bleibt

Obwohl Tom später durch Studium, Reisen und andere Lebensbereiche längere Zeit nicht regelmäßig im Unterricht war, blieb die Verbindung bestehen.

Von unterwegs kommen bis heute immer wieder Nachrichten, Fragen, Musik und kleine Videos – gelegentlich auch begleitet von Songs von Bastian Lee Jones, die auf seinen Reisen weiter mitfahren.

Dabei geht es längst nicht immer um Musik.

Tom fragt auch nach Einschätzungen zu Ländern, Mentalitäten, Begegnungen mit Menschen, Sprache, Reisewegen oder ganz praktischen Erfahrungen – beispielsweise im Zusammenhang mit Indonesien.

Dass solche Fragen auch Jahre nach dem eigentlichen Unterricht noch gestellt werden, zeigt eine andere Dimension pädagogischer Arbeit:

Vertrauen kann länger bestehen als der Unterricht selbst.

Nicht, weil ein Lehrer alle Antworten hätte.

Inzwischen taucht eine neue musikalische Idee auf:

Sondern weil über gemeinsame Jahre das Gefühl entstehen kann:

Diesen Menschen kann ich fragen. Seine Perspektive interessiert mich.

Damit verändert sich auch die Rolle.

Aus einem ehemaligen Lehrer kann für bestimmte Lebensfragen ein Gesprächspartner werden – ohne dass daraus Abhängigkeit entstehen muss.

Im Gegenteil:

Rat kann Orientierung geben.

Die Entscheidung bleibt beim Menschen selbst.

Auch darin liegt für die BLJ Academy eine Form von Selbstständigkeit.

Und Musik kann zurückkehren

Inzwischen taucht bei Tom eine neue musikalische Idee auf:

Er möchte singen und sich selbst auf der Gitarre begleiten – und damit nach Jahren wieder an die gemeinsame Arbeit anknüpfen.

Sein Weg zeigt deshalb gleich mehrere Gedanken der BLJ Academy:

Fehler müssen nicht verhindern, dass ein Mensch sein Ziel erreicht. Manchmal führt gerade das wiederholte Ausprobieren dorthin.

Eine pädagogische Beziehung kann weiterwirken, auch wenn der regelmäßige Unterricht längst vorbei ist.

Und:

Manchmal geht ein Mensch zunächst seinen eigenen Weg – und kommt später mit anderen Erfahrungen, anderen Fragen und einem neuen Ziel zurück.

Brian Crain – „Rain“, gespielt von Tom Stark →

Felipe – Stimme, Sprache und aus Begeisterung etwas Eigenes machen

Felipe kommt zum Gesangsunterricht in die BLJ Academy.

Dabei verbindet sich seine musikalische Entwicklung zunehmend mit Sprache, Klavier, Geschichten und digitalen Medien.

Felipe hat brasilianische Wurzeln und bewegt sich selbstverständlich zwischen mehreren Sprachen. Er singt Songs auf Deutsch, Englisch und brasilianischem Portugiesisch und hört dabei sehr genau hin, wie unterschiedliche Stimmen, Übersetzungen und Synchronfassungen wirken.

Stimme ist für ihn deshalb längst nicht nur Gesang.

Sie ist auch Sprache, Figur und Ausdruck.

Erst die eigenen Songs – dann neue Türen

Felipe weiß ziemlich genau, was er hören und singen möchte.

Lange Zeit kamen die Songvorschläge deshalb fast ausschließlich von ihm selbst.

Das wurde respektiert.

Mit zunehmendem Vertrauen entstand jedoch etwas Neues: Mittlerweile lässt Felipe auch Vorschläge von Bastian Lee Jones zu – besonders dann, wenn ein Stück helfen kann, eine bestimmte gesangstechnische Frage zu lösen.

Denn Lieblingssongs bringen nicht automatisch die besten Lernbedingungen mit sich.

Felipe neigte beispielsweise dazu, bestimmte Eigenheiten seiner Vorbilder stark zu übernehmen und dadurch selbst undeutlicher oder gepresster zu singen.

Statt ihm seine Lieblingsmusik zu verbieten, wurde gemeinsam genauer hingehört:

Was gehört zum Stil des Originals?
Was davon tut meiner eigenen Stimme gut?
Und was übernehme ich lediglich, weil ich es oft gehört habe?

Eine Zeit lang begeisterte sich Felipe besonders für den YouTuber Hao FX und sang dessen Songs immer wieder.

Doch mit wachsender eigener Erfahrung veränderte sich auch sein Geschmack.

Musikalische Strukturen, die ihn früher fasziniert hatten, erschienen ihm irgendwann vorhersehbarer. Dadurch öffnete sich Raum für komplexere Songs und andere Künstler – etwa Elton John, David Bowie oder Queen.

Auch das ist Entwicklung:

Nicht das frühere Interesse war falsch.
Das eigene Ohr ist weitergegangen.

Musikalische Bildung bedeutet deshalb auch, Geschmack entwickeln zu dürfen.

Nicht indem jemand vorschreibt, was „gute Musik“ ist.

Sondern indem man immer genauer hören lernt – und irgendwann selbst merkt, dass man nach etwas anderem sucht.

Gesang und Klavier zusammenbringen

Felipe erhält zusätzlich Klavierunterricht bei einem anderen Lehrer. Gleichzeitig wird es für ihn immer wichtiger, sich beim Singen selbst am Klavier begleiten zu können.

Genau dort treffen sich die unterschiedlichen Lernwege.

Sein Vater Eudinho, selbst Musiker, unterstützt ihn dabei und bereitet für ihn Leadsheets vor oder transponiert Songs in passende Tonarten.

Im Unterricht der BLJ Academy werden Gesang und Klavier dann miteinander verbunden:

Wie viel Klavier braucht ein Sänger wirklich?

Wo muss eine Begleitung stabil sein?

Wo kann sie einfacher werden?

Wie bleibt genügend Aufmerksamkeit für Atmung, Text und Ausdruck?

So wird das Klavier nicht zum zweiten Selbstzweck, sondern zu einem Werkzeug für größere musikalische Selbstständigkeit.

Vom Improvisations-Battle zum eigenen Reimtraining

Eine besondere Übung entstand zunächst ganz spontan.

Bastian und Felipe machten eine Art kleinen musikalischen Battle:

Zu vorgegebenen oder spontan entstehenden Worten sollte jeweils unmittelbar eine Melodie erfunden und gesungen werden – erst Bastian, dann Felipe.

Es ging nicht um richtig oder falsch.

Es ging um Reaktion, Sprache, Melodie und Spontaneität.

Felipe war mit seiner eigenen sprachlichen Beweglichkeit und seiner spontanen Reaktion zunächst nicht zufrieden.

Und genau daraus entstand etwas Entscheidendes:

Er beschloss selbst, daran zu arbeiten.

Seitdem denkt sich Felipe auf dem Weg zum Gesangsunterricht regelmäßig einen sechszeiligen Reim aus.

Zu Beginn der Stunde trägt er ihn auswendig vor.

Damit trainiert er ganz nebenbei:

Rhythmus.
Sprache.
Gedächtnis.
Wortfindung.
Artikulation.
Timing.
Spontaneität.
Präsenz.

Nach dem Unterricht schickt er Bastian den Reim noch einmal schriftlich zu – häufig zusammen mit dem Foto seiner drei mitgebrachten Ninjago-Figuren.

Aus einer spontanen Unterrichtssituation entstand so eine selbst gewählte regelmäßige Übung.

Und darin liegt ein wesentlicher pädagogischer Gedanke:

Der stärkste Lernimpuls entsteht manchmal in dem Moment, in dem ein Mensch selbst bemerkt: Genau das möchte ich besser können.

Drei Ninjago-Figuren

Zu Felipes Unterricht gehören fast immer auch drei Figuren aus seiner großen Ninjago-Sammlung.

Daraus entstand ein eigenes kleines Ratespiel.

Felipe bringt drei Figuren mit und stellt Fragen:

Wie heißen sie?

In welcher Staffel kommen sie vor?

Wie viel Screentime haben sie?

Welche davon ist besonders selten?

Bastian versucht zu antworten – und bekommt dabei gelegentlich Unterstützung von Niels, einem ungefähr gleichaltrigen Schüler, der vor Felipe Unterricht hat und sich erheblich besser im Ninjago-Universum auskennt.

Nach dem gemeinsamen Ratespiel fotografiert Felipe seine drei Figuren.

Dieses Bild schickt er Bastian später zusammen mit seinem Reim noch einmal zu.

Doch aus der Begeisterung für Ninjago entstand irgendwann eine weitere Frage:

Warum nur bestehende Geschichten kennen?

Warum nicht die eigene perfekte Staffel erfinden?

Felipe begann, das Ninjago-Universum selbst weiterzudenken.

Und daraus folgt irgendwann der nächste Schritt:

Figuren verändern.
Namen verändern.
Eigene Charaktere entwickeln.
Eigene Geschichten schreiben.

Aus Begeisterung wird Mustererkennung.

Aus Mustererkennung wird Rekombination.

Aus Rekombination wird Erfindung.

Aus einem Fan kann ein Autor werden.

Das entspricht einem wichtigen Grundgedanken der BLJ Academy:

Man muss Kreativität nicht aus dem Nichts erzeugen.

Man kann mit dem beginnen, was man liebt – und daraus allmählich etwas Eigenes entwickeln.

Von Synchronstimmen zum Hörspiel

Weil Felipe Serien und Filme liebt, interessiert er sich nicht nur für deren Songs.

Er hört auch sehr genau auf SynchronsprecherInnen und unterschiedliche Sprechweisen.

Wie verändert eine Stimme eine Figur?

Warum wirkt dieselbe Szene in einer anderen Sprache anders?

Welche Stimme klingt glaubwürdig, komisch, bedrohlich oder verletzlich?

Aus diesem Interesse führte der Weg schließlich auch zum Hörspiel.

Felipe erhielt eine Rolle – und aus der Begeisterung für Stimmen wurde eine eigene praktische Erfahrung vor dem Mikrofon.

Auftritt, Aufnahme und eigener Schnitt

Auch auf der Bühne sammelt Felipe Erfahrungen und erlebt dabei viel positive Resonanz.

Er trat unter anderem im familiären Umfeld in Brasilien sowie bei einer Schulveranstaltung in Deutschland auf.

Aktuell stellt er daraus ein eigenes Video zusammen: Auftrittsmaterial aus Brasilien, einen Schulauftritt und eine Aufnahme, in der er sich bei „Burn“ selbst am Klavier begleitet.

Den Schnitt übernimmt er selbst mit CapCut.

Auch digitale Werkzeuge gehören deshalb selbstverständlich zur gemeinsamen Arbeit.

YouTube, Smartphone-Aufnahmen, CapCut oder Musik- und Medienplattformen können helfen, Material zu recherchieren, Fortschritt zu dokumentieren, zu vergleichen und eigene Inhalte zu gestalten.

Technik ersetzt dabei nicht das Lernen.

Sie erweitert die Möglichkeiten, mit dem Gelernten etwas Eigenes zu machen.

Felipes Weg zeigt deshalb besonders deutlich, was individualisierter Unterricht bedeuten kann:

Nicht Interessen wegzuschieben, damit endlich „der eigentliche Unterricht“ beginnen kann.

Sondern genau hinzusehen:

Was begeistert diesen Menschen bereits – und wie kann daraus der nächste Entwicklungsschritt entstehen?

Sechs Zeilen.
Drei Figuren.
Ein Song.
Eine Stimme.
Ein Klavier.

Und daraus immer wieder:

ein neuer Versuch, etwas Eigenes zu machen.

Ella W. – wenn Musik zum eigenen Ausdrucksraum wird

Ella W. begann mit Klavierunterricht.

Schon früh fielen dabei zwei besondere Stärken auf:

ein ausgesprochen gutes musikalisches Gehör und ein bemerkenswertes Gedächtnis.

Ella kann musikalisches Material schnell aufnehmen, erinnern und wieder verfügbar machen.

Gleichzeitig besitzt sie viel Energie – und die Fähigkeit, sich über erstaunlich lange Zeiträume intensiv auf Musik einzulassen.

Ein Wirbelwind, der am Klavier plötzlich vollkommen bei einer Sache bleiben kann.

Notenlesen gehörte dabei zunächst nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Nach vorherigem Geigenunterricht war ihr Zugang zum Klavier stärker über Klang, Bewegung, Hören und Erinnerung geprägt.

Doch wenn sie ein Stück wirklich spielen wollte, konnte sie sich regelrecht hineinbeißen.

Zu ihrem Repertoire gehören unter anderem Händels Passacaglia, Yann Tiersens Musik aus Amélie, Beethovens Für Elise in vollständiger Form, Gibran Alcocers Idea 10 und Yirumas River Flows in You.

Einige dieser Stücke spielt sie immer wieder – manchmal über lange Zeit.

Dabei bekommt das Klavier für Ella noch eine andere Funktion:

Es wird zu einem Ort, an dem Gefühle eine Form bekommen können.

Freude.
Wut.
Traurigkeit.
Verliebtheit.
Unruhe.

Was schwer in Worte zu fassen ist, lässt sich manchmal spielen.

Auch ihre Familie erlebt das Klavier deshalb nicht nur als Instrument, sondern als wichtigen persönlichen Ausdrucksraum.

Nicht nur nachspielen

Ella begnügt sich dabei nicht immer mit dem Original.

Sie verändert Phrasierungen, probiert Varianten aus und entwickelt eigene musikalische Lösungen.

Bei Idea 10 entstand beispielsweise eine persönliche Version, in der einzelne Stellen deutlich von der Vorlage abwichen und eine eigene musikalische Logik bekamen.

Genau dort beginnt ein wichtiger Schritt:

Ein Stück wird nicht mehr nur reproduziert. Es wird angeeignet.

Auch beim Schreiben eigener Texte und beim Erfinden von Melodien arbeitet Ella häufig mit Material, das sie aus anderer Musik kennt.

Motive werden aufgenommen, erinnert, verändert und neu zusammengesetzt.

Muster werden erkannt.

Dann rekombiniert.

Und allmählich entsteht daraus etwas Eigenes.

Vom Klavier zur Stimme

Eines Tages stellte Ella eine einfache Frage:

„Kann ich bei dir eigentlich auch singen?“

Damit öffnete sich ein neues Feld.

Klavier und Stimme wurden zunehmend miteinander verbunden.

Unter anderem arbeitete sie an Vanessa Carltons A Thousand Miles, begleitete sich selbst und brachte das Stück schließlich bei einem Musikabend ihrer Schule auf die Bühne.

Musik wurde damit nicht nur zu etwas, das im Unterricht oder zu Hause stattfindet.

Sie wurde Performance.

Ein Wochenende für ein Recording

Aus einem Auftritt entstand später eine unerwartete Gelegenheit.

Für ein Charity-Filmprojekt wurde kurzfristig eine musikalische Aufnahme benötigt: eine englischsprachige Bossa-Nova-Fassung von Bettina Wegners „Sind so kleine Hände“.

Innerhalb eines einzigen Wochenendes arbeitete Ella gemeinsam mit Bastian Lee Jones intensiv an der Aufnahme.

In ungefähr sechs bis acht Stunden mussten mehrere Ebenen zusammenfinden:

Klavier.
Gesang.
Interpretation.
Timing.
Aufnahme.

Hier zeigten sich ihr musikalisches Gedächtnis und ihr Gehör besonders deutlich.

In sehr kurzer Zeit nahm Ella neues Material auf, verband Klavierspiel und Gesang und arbeitete konzentriert daran, daraus eine vollständige Interpretation zu entwickeln.

Die Aufnahme konnte fertiggestellt werden – und die Rückmeldung aus der Produktion war ausgesprochen positiv.

Dieses Projekt zeigte besonders deutlich, was entstehen kann, wenn Gehör, Erinnerung, Konzentration, Motivation und eine konkrete Aufgabe plötzlich zusammenkommen.

Manchmal entwickelt sich ein Mensch über Monate.

Und manchmal wird innerhalb eines einzigen Wochenendes sichtbar, was bereits lange vorbereitet wurde.

Lernen heißt auch, sich durchzubeißen

Obwohl Ella Notenlesen weiterhin nicht zu ihrem liebsten Teil des Musizierens zählt, wird es nicht einfach ausgeklammert.

Mit Carl Philipp Emanuel Bachs Solfeggio wird beispielsweise gezielt daran gearbeitet.

Und auch hier zeigt sich ihre besondere Stärke:

Wenn sie sich entscheidet, eine Aufgabe anzunehmen, kann sie sehr schnell wieder in bereits Gelerntes hineinfinden.

Das Ziel ist dabei nicht, ihre intuitive und auditive Stärke durch ein akademisches System zu ersetzen.

Es geht darum, ihr mehr Möglichkeiten zu geben.

Hören und lesen.
Erinnern und verstehen.
Improvisieren und präzisieren.

Je mehr dieser Fähigkeiten verfügbar werden, desto freier kann sie irgendwann entscheiden, welche sie gerade braucht.

Kreativität in vielen Formen

Ellas Kreativität endet nicht am Klavier.

Gerahmtes farbiges Bild von Ella mit zwei Figuren in einer Landschaft
Ein Bildgeschenk von Ella – Kreativität über das Musizieren hinaus.

Sie schreibt Texte, entwickelt Melodien, malt gerne und arbeitet ebenso selbstverständlich mit ihrem Körper – unter anderem beim Sport und beim Vertikaltuch / Aerial Silks.

Auch Verantwortungsgefühl gehört zu ihrer Geschichte.

Als während einer längeren Abwesenheit Unterstützung für die Versorgung der Katzen benötigt wurde, übernahm Ella diese Aufgabe zuverlässig und mit großem Verantwortungsbewusstsein.

Solche Dinge haben zunächst nichts mit Klaviertechnik zu tun.

Und trotzdem erzählen sie etwas über Entwicklung:

Vertrauen entsteht nicht nur aus Können.
Es entsteht auch aus Verlässlichkeit.

Über die Jahre wurde deshalb aus Unterricht auch ein Vertrauensverhältnis, in dem Fragen weit über einzelne Stücke hinaus Platz haben können.

Die Entscheidung bleibt dabei immer bei Ella selbst.

Der Unterricht bietet Orientierung, Möglichkeiten und einen geschützten Raum zum Ausprobieren.

Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Ellas Weg zeigt besonders schön, was entstehen kann, wenn ein Mensch seine Energie nicht ständig kontrollieren muss, sondern lernt, ihr eine Form zu geben.

Manchmal ist Musik nicht das Gegenteil eines Wirbelwinds.

Sie ist die Form, in die er sich verwandeln kann.

Spuren, die bleiben

Was bleibt, sind nicht nur Stücke, Auftritte oder Aufnahmen.
Es bleiben auch Zeichnungen, Briefe, kleine Geschenke und Erinnerungen – Zeichen dafür, dass Unterricht Beziehung, Vertrauen und Entwicklung bedeuten kann.