Schülerwege & kreative Projekte

Wenn aus Unterricht eigene Wege werden

Musikalische Entwicklung endet nicht immer mit der nächsten Klavierstunde, Gesangsübung oder einem neuen Stück.

Manchmal entsteht daraus ein eigener Song.
Eine Aufnahme.
Ein Konzert.
Ein Musikvideo.
Ein Fotoshooting.
Ein Studium.
Eine neue kreative Zusammenarbeit.

Über viele Jahre wurden SchülerInnen der BLJ Academy auf sehr unterschiedlichen musikalischen und künstlerischen Wegen begleitet – manchmal über lange Zeit, manchmal nur an einem entscheidenden Punkt.

Dabei geht es nicht darum, aus allen Menschen dasselbe zu machen.

Und auch nicht darum, spätere Entwicklungen für den Unterricht zu beanspruchen.

Die Aufgabe besteht vielmehr darin, aufmerksam zu erkennen, wo Interesse zu Eigeninitiative wird, wo sich eine Begabung entwickelt und wo aus einer Idee ein nächster Schritt entstehen könnte.

Dann kann Unterricht mehr sein als die Arbeit am Instrument.

Er kann Menschen miteinander verbinden, Möglichkeiten sichtbar machen und dabei helfen, eine eigene Richtung zu finden.

Denn musikalische Bildung sollte nicht nur zeigen, wie etwas gespielt wird.
Sie sollte Menschen zunehmend befähigen, selbst zu entscheiden, was sie daraus machen möchten.

Kein vorgezeichneter Weg

Musikalische Entwicklung folgt keinem einheitlichen Plan.

Nicht jede Schülerin möchte auf eine Bühne.
Nicht jeder Schüler möchte Musik studieren.
Nicht jede Begabung muss zum Beruf werden.

Für manche bedeutet Entwicklung, ein anspruchsvolles Werk endlich so spielen zu können, wie es innerlich schon lange klingt.

Für andere beginnt etwas Neues: ein eigener Song, eine Aufnahme, ein Konzert, ein Studium, ein kreatives Projekt oder eine professionelle Zusammenarbeit.

Und manchmal besteht ein großer Schritt einfach darin, nach vielen Jahren wieder mit Musik anzufangen.

Deshalb gibt es in der BLJ Academy kein festes Idealbild davon, wohin Unterricht führen muss.

Entscheidend ist vielmehr die Frage:

Was ist für diesen Menschen jetzt der nächste sinnvolle Schritt?

Ziele dürfen sich verändern.

Interessen dürfen sich verschieben.

Manches wird wichtiger, anderes verliert seine Bedeutung.

Unterricht sollte diese Entwicklung nicht einengen, sondern begleiten.

Er kann Orientierung geben, Möglichkeiten sichtbar machen, Fähigkeiten aufbauen und dort unterstützen, wo aus Interesse Eigeninitiative entsteht.

Erfolg hat deshalb viele Formen.

Er kann in einem Musikstudium liegen.
In einer Veröffentlichung.
In einem gelungenen Auftritt.
In jahrzehntelangem gemeinsamen Musizieren.
Oder darin, im Alter von 60 oder 70 Jahren etwas wieder aufzunehmen, das lange geruht hat.

Nicht der vorgezeichnete Weg zählt.

Sondern die Fähigkeit, einen eigenen zu finden.

Wege, die weiterführen

Leon Glauning – vom Hören zur eigenen künstlerischen Sprache

Leon Glauning wurde über einen längeren Zeitraum im Klavierspiel begleitet.

Schon früh zeigte sich dabei eine außergewöhnlich intuitive Beziehung zur Musik: Als Kind konnte er nach eigener Erinnerung rund 70 Songs der Beatles auswendig spielen – vieles davon weniger über das Lesen von Noten als über Hören, Erinnern und Wiedererkennen musikalischer Muster.

Diese Fähigkeit verweist auf etwas, das in der BLJ Academy eine wichtige Rolle spielt:

Musik nicht nur lesen, sondern hören, erkennen und innerlich verfügbar machen.

Im Unterricht ging es deshalb nicht allein um Reproduktion, sondern auch darum, mit musikalischem Material zu spielen.

Ein besonders humorvolles Beispiel entstand im Rahmen eines von Bastian Lee Jones initiierten Flow-Walzer-Wettbewerbs: Leon spielte seinen Beitrag auf dem Rücken liegend am Klavier – mit überkreuzten Händen

Was zunächst wie ein spielerischer Einfall wirkt, berührt einen grundlegenden Gedanken der Academy:

Wenn ein musikalisches Muster ausreichend verinnerlicht ist, kann man beginnen, seine gewohnte Form zu verlassen.

Man kann variieren.
Umdenken.
Rekombinieren.
Experimentieren.

Aus Können wird Spiel.

Aus dem langjährigen Unterricht entwickelte sich später ein eigener musikalischer Weg. Leon studierte Jazz, schrieb eigene Songs und entwickelte eine eigene künstlerische Arbeit mit Veröffentlichungen.

Die Verbindung blieb dabei nicht auf den Klavierunterricht beschränkt. Im Laufe der Zeit entstanden auch fotografische Arbeiten für seine Künstlerpräsentation.

Sein Weg zeigt exemplarisch, was Entwicklung in der BLJ Academy bedeuten kann:

Hören. Verstehen. Verinnerlichen. Spielen. Und daraus etwas Eigenes entwickeln.

Flow-Walzer ansehen →

Leon Glauning auf Spotify →

Sigrun T. – wenn Musik Menschen über Jahre verbindet

Sigrun T. kommt seit über 10 Jahren zum Gesangsunterricht (sie spielt ebenso Gitarre, jetzt auch Ukulele, und hat das Cello Ihres Grossvaters renovieren lassen und lernt Cello spielen, was ihr Gehör massiv verbessert). in die BLJ Academy und singt zugleich seit vielen Jahren gemeinsam mit Die Mollys.

Die Gruppe – Annette, Angela, Peter und Sigrun – trifft sich regelmäßig zum gemeinsamen Musizieren, abwechelnd in den jeweiligen Privatwohnungen der Mitmachenden. Gesungen wird mehrstimmig, arrangiert, ausprobiert und begleitet – unter anderem mit Gitarre, Ukulele, Flöte, Mundharmonika und Cello.

Zum Repertoire gehören Evergreens ebenso wie Irish Folk.

Was dabei entstanden ist, lässt sich nicht sinnvoll allein in Prüfungen, Abschlüssen oder Veröffentlichungen messen.

Es ist etwas anderes gewachsen:

eine musikalische Gemeinschaft.

Gemeinsames Singen wird zum festen Bestandteil des Lebens. Menschen hören aufeinander, finden ihre Stimmen innerhalb eines Ensembles, entwickeln Arrangements und teilen Musik miteinander.

Dazu gehören auch öffentliche Auftritte – beispielsweise bei der Fête de la Musique in Berlin.

Sigruns Weg erinnert deshalb an einen wichtigen Grundgedanken der BLJ Academy:

Musikalische Entwicklung muss nicht zwangsläufig in einen professionellen Beruf führen, um von großer Bedeutung zu sein.

Sie kann darin bestehen, Musik über Jahrzehnte im eigenen Leben lebendig zu halten – gemeinsam mit anderen Menschen.

Musik lebt dort, wo Menschen zusammenkommen und sie miteinander teilen.

Die Mollys ansehen →

Naphat N. – Begabung, Veränderung und gegenseitige Inspiration

Naphat N. brachte von Anfang an eine außergewöhnliche Verbindung von Musik, Bildern, Geschichten und Erinnerung mit in den Klavierunterricht.

Ihre visuelle und musikalische Auffassungsgabe war bemerkenswert. Debussys Clair de Lune konnte sie beispielsweise bereits nach wenigen Wochen weitgehend auswendig spielen.

Doch musikalische Entwicklung verläuft nicht immer geradlinig.

Nach einer einschneidenden Lebensphase veränderten sich auch für Naphat einige Voraussetzungen des Lernens. Was jedoch blieb, war etwas vielleicht noch Wesentlicheres:

ihre Liebe zur Musik, zur Kreativität und zum Entdecken.

Genau darin liegt ein wichtiger Gedanke der BLJ Academy:

Naphats Interessen gingen dabei schon immer weit über das Klavier hinaus. Naturwissenschaften, Film, Anime, Geschichten und handwerklich-kreative Arbeiten gehörten ebenso zu ihrer Welt. Später studierte sie erfolgreich Chemie und Biologie auf Lehramt an der Freien Universität Berlin.

Eine besondere Rolle spielte für sie die Welt von Studio Ghibli – mit ihrer Verbindung von Musik, Bild, Fantasie, Emotion und Erzählung.

Ein wichtiger musikalischer Bezugspunkt war außerdem der Pianist und YouTuber Animenz, dessen virtuose Klavierarrangements von Anime-Musik ein großes internationales Publikum erreicht haben.

Aus diesem Interesse entstand schließlich eine besondere Begegnung: Bastian Lee Jones führte ein Interview mit Animenz – und Naphat konnte ihrem musikalischen Vorbild dabei selbst Fragen stellen.

Doch die Inspiration verlief nicht nur in eine Richtung.

Durch Naphats Begeisterung entdeckte auch Bastian Lee Jones die Musik der Studio-Ghibli-Filme intensiver für sich.

Was eine Schülerin in den Unterricht mitbrachte, wurde damit zum Impuls für die eigene künstlerische Arbeit des Lehrers. Später entstanden daraus eigene Studioaufnahmen mit Musik aus der Welt von Studio Ghibli.

Das ist Docendo discimus – wir lernen beim Lehren in seiner unmittelbarsten Form.

Lehrende bringen Wissen, Erfahrung und Möglichkeiten mit.

SchülerInnen bringen andere Erfahrungen, Interessen, Fragen und Welten mit.

Wenn beides aufeinandertrifft, kann etwas entstehen, das vorher niemand geplant hatte.

Unterricht ist keine Einbahnstraße.

Manchmal beginnt eine neue künstlerische Reise mit einer ganz einfachen Frage:

„Kennst Du das eigentlich?“

Animenz-Interview ansehen →

Studio-Ghibli-Aufnahmen hören →

Bo und Henry R. – Mutter und Sohn, zwei musikalische Wege

Manchmal zeigt sich Individualität besonders deutlich innerhalb derselben Familie.

Die Verbindung zu Bo R. begann 2014 – die erste E-Mail aus dieser Zeit existiert noch im persönlichen Archiv von Bastian Lee Jones.

Schon die erste Begegnung hatte ihren eigenen Ton.

Als Bastian die Möbel aus Bali bemerkte – dem Ort, an dem er selbst geboren wurde –, fragte Bo ihn kurzerhand:

„Bastian, bist du ein Hippie?“

Seine Antwort:

„Nein, eher ein Luxuspunk.“

Damit war das Eis gebrochen.

Aus dieser sympathischen ersten Begegnung entwickelte sich eine langjährige musikalische Verbindung – zunächst zu Bo und später auch zu ihrem Sohn Henry.

Bo arbeitete unter anderem mit klassischem Repertoire und spielte Beethovens Mondscheinsonate.

Henry dagegen machte früh deutlich, dass er seinen eigenen Weg gehen wollte.

Notenlesen interessierte ihn kaum. Ein systematisches Programm aus Tonleitern, Technikübungen und vorgeschriebenem Repertoire hätte seiner Persönlichkeit vermutlich eher die Freude am Instrument genommen als sie gefördert.

Also entstand ein anderer Unterricht.

Spielen.
Hören.
Ausprobieren.
Singen.
Songs entdecken.
Und vor allem: selbst entscheiden dürfen, wohin die musikalische Aufmerksamkeit gerade gehen möchte.

Songs wie David Bowies Space Oddity oder Billy Joels Piano Man wurden dabei zu Ausgangspunkten für Stimme, Klavier und musikalischen Ausdruck.

Rückblickend formulierte Henry sinngemäß einen Gedanken, der für die BLJ Academy wesentlich ist:

Eigentlich wollte ich gar nicht Klavier spielen. Aber du hast mich immer machen lassen und mir nie etwas vorgeschrieben. Und trotzdem bin ich all die Jahre dabeigeblieben.

Später bedankte er sich ausdrücklich dafür.

Dieser Dank ist vielleicht einer der stärksten Hinweise darauf, dass pädagogischer Erfolg nicht immer daran gemessen werden kann, wie vollständig ein vorgegebener Lehrplan erfüllt wurde.

Manchmal besteht er darin, dass ein Mensch seine Beziehung zur Musik behalten konnte.

Menschen in ihrem So-Sein anzunehmen bedeutet allerdings nicht, die Konsequenzen unterschiedlicher Lernwege zu übersehen.

Henrys Klaviertechnik entwickelte sich ausgesprochen individuell. Ein traditioneller Klavierpädagoge würde manches vermutlich anders aufbauen.

Aber Unterricht muss immer auch fragen:

Was geschieht mit diesem Menschen, wenn ich ihn jetzt zwinge, auf meine Weise zu lernen?

Bei Henry wäre ein konsequentes technisches Pflichtprogramm möglicherweise pädagogisch kontraproduktiv gewesen.

Also durfte seine eigene Spielweise entstehen.

Bo bemerkte später treffend, Henry habe dadurch beinahe einen eigenen Stil entwickelt.

Das ist keine Absage an Technik.

Es ist eine Frage der Priorität:

Technik soll einem Menschen Möglichkeiten eröffnen – nicht zum Grund werden, warum er mit Musik aufhört.

Eine kleine Episode macht diesen besonderen Weg besonders anschaulich.

Obwohl Henry selbst wenig Interesse am klassischen Notenlesen hatte, bat Bastian Lee Jones ihn einmal, Erik Saties Gnossienne No. 1 aufzuschreiben.

Henry tat es – und schenkte ihm anschließend das handgeschriebene Notenblatt.

Es existiert bis heute.

Später bereitete sich Henry vor einem Aufenthalt in Rom musikalisch darauf vor, dort Songs spielen und singen zu können. Dort lernte er nach seiner Erinnerung auch einen Saxophonisten kennen. Seine weitere Ausbildung ließ schließlich wenig Raum, daraus ein größeres musikalisches Projekt zu entwickeln.

Aber die Musik war mitgegangen.

Wenn Unterricht Beziehungen schafft

Über Henry entstand außerdem die Verbindung zu Remo.

Henry und Remo waren eng befreundet und häufig zusammen. So kam schließlich auch Remo zum Klavierunterricht.

Manchmal wurden Henry und Remo gemeinsam unterrichtet – teilweise auch bei Remo im Tiergarten.

So entstand etwas, das für die BLJ Academy bis heute charakteristisch ist:

Unterricht findet nicht ausschließlich innerhalb einer isolierten Lehrer-Schüler-Beziehung statt.

Menschen bringen Familie, Freundschaften, Interessen, Humor, Erfahrungen und neue Verbindungen mit.

Aus einer Begegnung entsteht die nächste.

Und manchmal entwickelt sich daraus ein kleines kreatives Netzwerk, das niemand vorher geplant hat.

Bo, Henry und Remo zeigen deshalb nicht nur unterschiedliche musikalische Wege.

Sie zeigen auch eine grundsätzliche Haltung:

Der Mensch muss nicht passend für eine Methode gemacht werden.
Die Methode muss beweglich genug sein, dem Menschen begegnen zu können.

Remo R. – Disziplin, Körperbewusstsein und ein eigener Weg

Remo R. kam über Henry R. zum Unterricht.

Beide gingen auf dieselbe Schule, und waren eine Zeit lang eng befreundet. Dennoch zeigte sich im Unterricht schnell, dass Remo musikalisch und persönlich einen ganz eigenen Zugang hatte.

Auch Remo gehörte nicht zu den Schülern, für die Notenlesen im Zentrum stand.
Aber im Unterschied zu anderen nahm er musikalische Vorschläge gerne auf – wenn sie zu ihm passten.

Stücke wie das Thema aus Mission: Impossible begeisterten ihn unmittelbar.
Und kurz vor dem Abitur setzte er sich ein klares Ziel: Er wollte Beethovens „Für Elise“ vollständig spielen – nicht nur den bekannten Anfang, sondern das Werk in seiner ganzen Form.

Das ist anspruchsvoller, als es oft erscheint.

Gerade darin zeigte sich etwas, das für Remo bezeichnend war:

Wenn er sich für etwas entschied, dann wollte er es richtig machen.

Diese Haltung prägte nicht nur seinen Zugang zur Musik, sondern auch seinen Umgang mit sich selbst.

Remo interessierte sich stark für Sport, Körperbewusstsein und Training.
Er betrieb intensives Krafttraining, arbeitete diszipliniert an seiner körperlichen Entwicklung und verfolgte früh das Ziel, später im Bereich Sport, Training und Coaching zu arbeiten.

Bemerkenswert war dabei nicht nur seine Konsequenz, sondern auch seine Eigenständigkeit.

Er entwarf sein eiweißreiches Ernährungskonzept, dachte über körperliche Optimierung nach und entwickelte sogar eigene Ideen für Pflegeprodukte – alles mit dem Anspruch, möglichst bewusst, reflektiert und nach wissenschaftlichen Maßstäben vorzugehen.

Im Unterricht wurde dadurch etwas sichtbar, das über Musik hinausweist:

Lernen bedeutet nicht nur Ausdruck.
Lernen bedeutet auch Selbstgestaltung.

Remo brachte deshalb eine andere Energie mit als viele andere Schülerinnen und Schüler.

Er dachte nicht bohemienhaft oder verträumt, sondern eher in Richtung:

Wie kann ich aus meinen Möglichkeiten etwas machen?
Wie forme ich mich?
Wie werde ich besser?

Diese Haltung zeigte sich auch sprachlich und kreativ.

Im Unterricht schrieb Remo unter anderem eigene Songtexte, darunter auch einen Rap-Text, der durch Klarheit, Eigenständigkeit und Ausdruck auffiel.

Damit wurde sichtbar:

Auch jemand, der stark über Körper, Disziplin und Leistung denkt, trägt oft ebenso ein kreatives Innenleben in sich.

Gerade diese Verbindung von Körper und Geist, von Training und Ausdruck, von Disziplin und Kreativität macht seinen Weg so interessant.

Eine weitere Facette war seine Freude an gedanklicher Herausforderung.

Remo wollte mit Bastian Lee Jones immer wieder auch Schach spielen – als weiteres Feld von Strategie, Konzentration und geistiger Wachheit.

Sein Weg zeigt exemplarisch, dass Musikunterricht nicht immer nur über denselben pädagogischen Zugang funktioniert.

Manche Menschen finden über Gefühl in die Musik.
Andere über Spiel.
Wieder andere über Struktur, Zielstrebigkeit und Selbstdisziplin.

Remo gehörte zu jenen Schülern, bei denen man spüren konnte:

Bewusstheit ist auch eine Form von Musikalität.

Sein Beispiel macht deutlich, dass musikalische Entwicklung nicht getrennt vom übrigen Leben verstanden werden muss.

Wer lernt, an sich zu arbeiten, einen Körper zu formen, Gewohnheiten zu entwickeln, konzentriert zu bleiben und eigene Ziele ernst zu nehmen, bringt oft auch für Musik entscheidende Fähigkeiten mit:

Ausdauer.
Präsenz.
Rhythmus.
Konzentration.
Disziplin.

So steht Remo R. auf eigene Weise für einen wichtigen Gedanken der BLJ Academy:

Künstlerische Entwicklung kann sehr unterschiedlich aussehen.
Aber sie gewinnt immer dort an Tiefe, wo ein Mensch beginnt, sich selbst bewusst zu gestalten.

Dieter Starke – Chanson, Figur und Bühnenpräsenz

Dieter Starke kam mit einer klaren Freude an Gesang, Chanson und Kleinkunst zum Unterricht.

Er suchte immer wieder nach Möglichkeiten, mit einem Pianisten aufzutreten und sein Repertoire auf die Bühne zu bringen. Seine Auftritte führten ihn unter anderem in Boutiquen und in die ehemalige Feuerwache in Friedrichshain.

Dabei entstand zunehmend mehr als nur ein Liederabend.

Dieter entwickelte Figuren und kleine szenische Welten.

Als „Nachtgespenst“ trat er beispielsweise im Nachthemd und mit Schlafzipfelmütze auf – eine bewusst inszenierte Figur mit Humor, Atmosphäre und theatralischer Präsenz.

Auch seine Interpretation des Clowns hatte eine andere Farbe: stiller, melancholischer, nachdenklicher.

Sein Repertoire war entsprechend breit.

Dieter brachte immer wieder eigene Vorschläge mit – von Chansons über Volkslieder bis hin zu Arien.

Diese Offenheit machte den Unterricht zu einem gemeinsamen Suchprozess:

Welches Lied passt zur Stimme?
Welche Geschichte möchte erzählt werden?
Welche Figur entsteht daraus?
Und wie kann sie auf einer Bühne glaubwürdig werden?

Aufnehmen, ansehen, verbessern

Teile des Programms und einzelne Auftrittssequenzen wurden immer wieder mit Audio und Video aufgenommen.

Die Aufnahme wurde zum Spiegel.

Wie wirkt eine Bewegung?
Ist der Text verständlich?
Trägt eine musikalische Phrase?
Funktioniert eine Figur auch von außen betrachtet?
Wo verliert ein Auftritt Spannung – und wo entsteht plötzlich etwas Besonderes?

Recording war damit nicht erst das Endprodukt, sondern bereits Teil des Lernprozesses.

Dieter hätte sich für seine Auftritte ursprünglich eine direkte Klavierbegleitung durch Bastian Lee Jones gewünscht.

Doch dafür musste eine Lösung gefunden werden, die ihm größere Unabhängigkeit ermöglichte.

Gemeinsam wurde deshalb mit vorbereiteten Begleitungen und schließlich überwiegend mit Halbplaybacks gearbeitet.

Die Lösung überzeugte ihn – und vor allem:

Sie funktionierte auf der Bühne.

Dieter konnte damit seine Programme zunehmend eigenständig aufführen, ohne für jeden Auftritt einen Pianisten organisieren zu müssen.

Auch darin steckt ein Grundgedanke der BLJ Academy:

Eine musikalische Lösung muss nicht nur theoretisch richtig sein. Sie muss für den Menschen und die konkrete Situation funktionieren.

Und sie sollte möglichst dazu beitragen, ihn unabhängiger zu machen.

Stimme, Bild und Selbstpräsentation

Die Begleitung ging deshalb auch über die reine Gesangsarbeit hinaus.

Gemeinsam entstanden eine Fotosession, ein eigener visueller Look sowie Flyer für seine Auftritte.

Dieter Starke mit Strohhut und pinkfarbener Krawatte bei einer Portrait-Fotosession mit Bastian Lee Jones
Entwicklung eines eigenen visuellen Looks – Portrait von Dieter Starke, Foto: Bastian Lee Jones
Gezeichneter Flyer mit Portrait von Dieter Starke im Strohhut und dem Schriftzug „der starke Dieter Starke“
Vom Portrait zur Illustration: Flyerzeichnung und Gestaltung für Dieter Starke – Bastian Lee Jones

Auf Empfehlung von Bastian Lee Jones richtete Dieter außerdem einen eigenen YouTube-Kanal ein, um seine Arbeit selbst sichtbar machen zu können.

So verbanden sich Gesang, Konzertvorbereitung, Recording, Bühne, Fotografie und Selbstpräsentation zu einem größeren Ganzen.

Dieter zeigt damit exemplarisch:

Künstlerischer Ausdruck entsteht nicht allein aus einer Stimme.

Er entsteht dort, wo Stimme, Persönlichkeit, Repertoire, Figur, Bild und Präsenz miteinander eine eigene Form finden.

Und manchmal besteht künstlerische Entwicklung auch darin, eine praktische Form zu finden, mit der eine eigene Idee tatsächlich auf die Bühne gebracht werden kann.

Das Nachtgespenst – Live-Auftritt ansehen →

Der Clown – Live-Auftritt ansehen →